1. Den Männern steht ein Anteil dessen zu, was Eltern und Verwandte (wie Geschwister und Onkel) hinterlassen, und den Frauen steht ein Anteil dessen zu, was Eltern und Verwandte hinterlassen, sei es wenig oder viel, ein (von Aḷḷāh) vorgeschriebener Anteil (im Gegenteil zu dem, was in der Ǧāhiliyyah gang und gebe war, als Frauen nichts erbten).
  2. Und wenn bei der Verteilung (des Erbes andere) Verwandte, Waisen und Bedürftige zugegen sind (die keine Erben sind), dann gebt ihnen etwas davon (freiwillig), und sprecht freundlich zu ihnen.
  3. Und jene sollen sich fürchten, die sich, wenn sie selbst schwache Nachkommen (nämlichkleine Kinder) hinterlassen würden, um diese sorgen würden. Darum sollen sie sich vor Aḷḷāh in Acht nehmen (was die Versorgung der Waisen betrifft, die sich in ihrer Obhut befinden, so wie sie selbst ihre eigenen Kinder gut versorgt sehen würden) und passende Worte sprechen (indem man beim Vermächtnis kein Unrecht tut).
  4. Wahrlich, jene, die in ungerechter Weise das Vermögen der Waisen verschlingen, die verschlingen tatsächlich (am Tag der Auferstehung) Feuer in ihre Bäuche, und sie werden sich dereinst einer lodernden Flamme aussetzen.[1]
  5. Hinsichtlich eurer Kinder ordnet Aḷḷāh euch an: Auf ein Kind männlichen Geschlechts entfällt so viel wie der Anteil von zwei Kindern weiblichen Geschlechts. Sind es aber (nur) Töchter, mindestens zwei, dann fallen ihnen zwei Drittel dessen zu, was er hinterlässt. Ist es nur eine Tochter, dann erhält sie die Hälfte. Und jedem Elternteil fällt jeweils ein Sechstel dessen zu, was er hinterlässt, wenn er (mindestens) ein Kind (männlich oder weiblich) hat.[2] Hat er aber keine Kinder, und beerben ihn nur seine Eltern, dann soll seine Mutter ein Drittel erhalten (und den Rest erhält sein Vater). Wenn er Geschwister hat (männlich oder weiblich, aber mindestens zwei), dann erhält seine Mutter ein Sechstel (und den Rest sein Vater und die Geschwister nichts). Diese (Aufteilung des Erbes) erfolgt, nachdem das (etwaige) Vermächtnis (des Verstorbenen) berücksichtigt wurde (das Vermächtnis darf aber nur ein Drittel des Vermögens des Verstorbenen betreffen) und alle Schulden (die er möglicherweise aufgenommen hat) beglichen wurden. Eure Eltern und eure Kinder – ihr wisst nicht, wer von ihnen euch (im Diesseits und im Jenseits) an Nutzen nähersteht.[3] All das ist euch (darum) als Pflicht von Aḷḷāh auferlegt. Wahrlich, Aḷḷāh wusste schon immer alles und ist seit jeherweise.

[1] „yaṣlauna“ nach der Lesart der Mehrheit.

Nach Ibn ʽĀmir und Šuʽbah: „yuṣlauna“: „sie werden dereinst einer lodernden Flamme ausgesetzt werden.“

[2] Der Vater erhält ein Sechstel, wenn es mindestens einen Sohn. Daran ändert sich nichts, wenn es zusätzlich eine Tochter oder mehr gibt.

Gibt es nur Töchter, mindestens eine, erbt der Vater ein Sechstel und den Rest (Taʽṣīb), der nach den Farḍ-Anteilen übrigbleibt.

Gibt es keine Kinder, erbt der Vater den Rest (Taʽṣīb).

[3] Der Verstorbene mag über einen seiner Erben Gutes gedacht haben und ihm darum sein gesamtes Vermögen hinterlassen haben oder er mag Schlechtes über jemanden gedacht haben und ihn vom Erbe zur Gänze ausgeschlossen haben. In Wahrheit aber kann es sich genau gegenteilig verhalten. Darum diese Anordnung von Aḷḷāh, der allein Wissen um alles besitzt.

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