1. Güte besteht nicht darin, dass ihr eure Gesichter nach Osten oder Westen wendet[1], sondern gütig ist, wer an Aḷḷāh und an den Letzten Tag, an die Engel (allesamt), die Offenbarungsschriften (allesamt) und die Propheten (allesamt) glaubt, wer von seinem Vermögen – auch wenn es ihm selbst lieb ist – den Verwandten, den Waisen[2], den Bedürftigen, den Reisenden (dem die Mittel ausgegangen sind) und den Bettlern gibt und es für den Freikauf von Sklaven (und Gefangenen) verwendet, wer das Gebet verrichtet und die Zakāh entrichtet. (Fromm sind die,) die ihr Versprechen einhalten, wenn sie es gegeben haben, die geduldig sind angesichts von Elend, Krankheit und Krieg (und nicht fliehen). Jene sind es, die wahrhaftig (gläubig) sind und jene sind die Achtsamen (vor Aḷḷāh).
  2. Ihr, die ihr (an Aḷḷāh und Seine Gesandten) glaubt! Euch wurde die Wiedervergeltung für die (vorsätzlich und widerrechtlich) Getöteten vorgeschrieben: der Freie für den Freien, der Sklave für den Sklaven und die Frau für die Frau. Wenn aber jemandem von seinem Glaubensbruder etwas vergeben wird[3], dann soll man (als Angehöriger des Getöteten dem Mörder) in geziemender Weise[4] nachgehen (um das Blutgeld einzufordern) und dieses in ebenso geziemender Weise entrichtet werden (indem die Begleichung nicht grundlos hinausgeschoben wird). Dies ist eine Erleichterung und Gnade von eurem Herrn (die Er euch gewährt). Wer danach aber (gegen den Täter) feindselig auftritt (nachdem diesem vergeben wurde und er das Blutgeld entrichtet hat), den erwartet (von Aḷḷāh) schmerzliches Leid.
  3. In der Wiedervergeltung liegt Leben für euch (indem weiteres Blutvergießen und Feindseligkeiten unter euch vermieden werden), o ihr, die ihr Vernunft besitzt,[5] (und damit ihr euch (vor Aḷḷāh) in Acht nehmt!
  4. Euch ist vorgeschrieben, wenn sich bei einem von euch Zeichen seines baldigen Todes einstellen und er ein großes Vermögen hinterlässt, ein Vermächtnis zugunsten der Eltern und Verwandten in rechtlicher Weise zu machen Dies ist eine Pflicht für die Achtsamen (vor Aḷḷāh).[6]
  5. Wer dieses (Vermächtnis abändert), nachdem er davon erfahren hat, so liegt die Schuld allein bei jenen, die es abändern (und nicht auf jenen, denen daraus ein Vorteil entstanden ist). Wahrlich, Aḷḷāh ist hört (die Worte desjenigen, der ein Vermächtnis mach) und weiß Bescheid (wenn jemand es abändert).

[1] „al-birra“ nach Ḥafṣ und Ḥamzah.

Nach der Mehrheit: „al-birru“: „Nicht eure Gesichter nach Osten oder Westen zu wenden bedeutet Güte, sondern usw.“

[2] Damit ist gemeint, wer seinen Vater vor der Pubertät verliert.

[3] D.h. wenn der Getötete, noch bevor er stirbt, seinem Gegner vergibt oder wenn nach seinem Tod sein Vormund dem Täter vergibt.

[4] Man darf die Diyah (das Blutgeld) nicht nach dem Motto verlangen: „Wir haben dir einen Gefallen getan.“

[5] Hier endet nach der letzten medinesischen, irakischen und einer Version der šamischen Zählung kein Vers.

[6] Dieser Vers war vor jenen offenbart worden, in denen dann die Erbanteile der einzelnen Hinterbliebenen genau festgelegt wurden. Heute ist dies eine freiwillige, gute Tat.

Aufrufe: 28