1. Die Unvernünftigen unter den Leuten werden fragen: „Was hat sie (die Muslime) dazu veranlasst, sich von der Gebetsrichtung (nach Jerusalem), nach der sie sich bisher richteten, abzuwenden?“ Sag (Gesandter Aḷḷāhs): „Aḷḷāhs ist der Osten und der Westen: (Er lässt die Menschen sich im Gebet hinwenden, wohin auch immer Er will.) Er führt, wen Er will, auf den rechten Weg (der zu Ihm führt).[1]
  2. Und so (wie Wir für euch eine Gebetsrichtung bestimmt haben, mit der Wir zufrieden sind), haben Wir euch (auch) zu einer redlichen Gemeinschaft gemacht, damit ihr (am Tag der Auferstehung) Zeugnis die Menschen betreffend ablegen mögt (darüber, dass all die Gesandten ihre Botschaft an die Menschheit übermittelt haben) und damit der Gesandte Aḷḷāhs Zeugnis euch betreffend ablegen möge (dass er euch die Botschaft überbracht hat). Und Wir haben die Gebetsrichtung, der du bisher gefolgt bist, nur darum festgelegt, um zu sehen[2], wer dem Gesandten folgt und wer auf seinen Fersen kehrt macht. Dies (die Änderung der Gebetsrichtung von Jerusalem nach Mekka) war fürwahr eine schwerwiegende Angelegenheit, außer für jene, die Aḷḷāh (auf den rechten Weg) geführt hat[3]. Aḷḷāh aber lässt euren Glauben (und dazu gehören eure Gebete in Richtung Jerusalem) nicht verloren gehen, denn wahrlich, Aḷḷāh ist mit den Menschen äußerst gnädig, (da Er von ihnen Schlechtes abwenden will) und (auch deshalb) gnädig (weil Er für Sie Gutes will).[4]
  3. Wir haben ja gesehen, dass du oft dein Gesicht (nach einer Offenbarung hoffend) zum Himmel wendest (die dir anordnet, dich in Richtung Kaʽbah zu wenden). So werden Wir dir nun gewiss eine Gebetsrichtung geben, die dich zufrieden stellt. Darum wende dein Gesicht in Richtung der heiligen Gebetsstätte (der Kaʿbah in Mekka), und wo immer ihr euch befinden mögt, wendet eure Gesichter (im Gebet) in ihre Richtung. Jene (Juden und Christen) aber, denen die Schrift gegeben wurde, wissen wohl, dass dieses Gebot die Wahrheit von ihrem Herrn ist (da die Kaʽbah ja von Abraham und Ismael gebaut wurde und die erste Qiblah war). Aḷḷāh ist dessen nicht unachtsam, was sie tun[5].
  4. Und selbst wenn du jenen, denen bereits zuvor die Offenbarungsschrift gegeben wurde (den Juden und Christen), alle Beweise dafür vorbringen würdest (dass es sich bei dem offenbarten Gebot um die Wahrheit handelt), so würden sie deiner Gebetsrichtung (aus Trotz) doch nicht folgen. Und auch du folgst ihrer Gebetsrichtung nicht (nachdem Aḷḷāh dich von ihn abgebracht hat). Sie folgen ja nicht einmal untereinander derselben Gebetsrichtung (denn sie bezichtigen sich gegenseitig des Unglaubens). Wenn du aber ihren Wünschen folgen würdest, nach dem, was du an Wissen erhalten hast, dann würdest du wahrlich zu den Ungerechten gehören.

[1] Oder: „Er führt den, der will, auf den rechten Weg.“ (Anm.d.Ü.).

[2] Wortwörtlich: „um zu wissen“, gemeint ist das Wissen Aḷḷāhs, das sich für uns gezeigt hat.

Aḷḷāh wusste schon vorher, wer dem Gesandten Aḷḷāhs r folgen wird, aber erst nachdem man ihm gefolgt ist oder nicht, verdient man die Belohnung bzw. Bestrafung.

[3] Jene, die in ihrem Glauben gefestigt waren, wussten, dass jedes Gebot Aḷḷāhs, und somit auch die Änderung der Gebetsrichtung, auf Seiner umfassenden Weisheit beruht und hegten darum keinerlei Zweifel. Die Juden und Christen sahen darin eine Abkehr von der ihrer Meinung nach „wahren“ Gebetsrichtung (Qiblah) und die Götzendiener sahen darin den ersten Schritt zur Rückkehr zur Anbetung der Götzen, die sich ja noch um die Kaʽbah befanden, denn Mekka wurde erst 8 n. H. eingenommen, die Veränderung der Gebetsrichtung war schon im 2. Jahr n. H.

[4] Siehe at-Taḥrīr wa an-Tanwīr zu diesem Vers zu Unterschieden zwischen Ra’fah und Raḥmah.

[5] „yaʽmalūna“ nach der Lesart der Mehrheit.

Nach Ibn ʿĀmir, Ḥamzah, Kisā’iyy, ʼAbū Ǧaʽfar und Rauḥ: „dessen, was ihr tut“, (taʽmalūna).

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