1. Sie bitten dich (Gesandter Aḷḷāhs) um Auskunft (über das Erbrecht): Aḷḷāh belehrt euch über das Erbe dessen, der weder Vater noch Kinder hinterlässt: Stirbt ein Mann und hinterlässt keine Kinder, aber eine (Voll-)Schwester, dann erhält sie als Erbe die Hälfte dessen, was er hinterlassen hat. Und er erbt von ihr, wenn sie kinderlos stirbt. Wenn es aber zwei (Voll-)Schwestern sind, dann erhalten sie zwei Drittel dessen, was er hinterlassen hat. Und wenn es (Voll-)Brüder und (Voll-)Schwestern gibt, dann erhält ein (Voll-)Bruder ebenso viel wie zwei (Voll-)Schwestern. Aḷḷāh macht euch all das deutlich, damit ihr nicht in die Irre geht, und Aḷḷāh besitzt Wissen um alle Dinge.

Sūrah 5 al-Māʼidah – der Tisch (medinensisch)

Mit dem Namen Aḷḷāhs, des an sich Gnadenvollen, des (gegenüber den Gläubigen besonders) Gnädigen (beginne ich, Seine Hilfe ersuchend, zu lesen).

  1. Ihr, die ihr glaubt! Haltet alle eure Abkommen (zwischen euch und Aḷḷāh und euch untereinander) ein.[1] Erlaubt ist euch [jede Art von][2] Vieh (d.h. Rind, Kamel, Schaf und Ziege), außer dem, was euch (hier in der Offenbarung als verboten) verlesen wird. Nicht erlaubt aber ist euch die Jagd, während ihr euch im Weihezustand der Pilgerfahrt (ʽUmrah oder Ḥaǧǧ) befindet. Siehe, Aḷḷāh ordnet (gemäß Seiner Weisheit) an, was Er will.
  2. Ihr, die ihr glaubt! Entweiht nicht die Symbole Aḷḷāhs (sowohl die religiösen Zeremonien, wie das Gebet, als auch die Kultstätten, wie die Kaʽbah) und auch nicht die heiligen Monate[3] (durch den bewaffneten Kampf), nicht die (für die Heilige Stadt bestimmten) Opfertiere (indem ihr sie etwa raubt oder daran hindert, ihren Bestimmungsort zu erreichen) und nicht den Halsschmuck (der damit als solche gekennzeichneten Opfertiere) und nicht jene, die zum heiligen Haus streben, um die Gunst (durch Handelsgewinn) und das Wohlgefallen ihres Herrn zu erlangen. Wenn ihr den Weihezustand (der Ḥaǧǧ und ʽUmrah) abgelegt habt, dürft ihr (wieder) jagen. Und der Hass gegenüber bestimmten Leuten, die euch (einst) daran gehindert haben,[4] die heilige Moschee (der Ka ͑bah) zu erreichen, soll euch nicht zu Übergriffen (und Ungerechtigkeit ihnen gegenüber) verleiten. Und unterstützt einander darin, gütig zu sein (indem ihr das erfüllt, was Aḷḷāh euch befohlen hat) und achtsam (Aḷḷāh gegenüber hinsichtlich der Sünden) und nicht darin, Sünden zu begehen und Feindschaft zu schüren. Nehmt euch vor Aḷḷāh in Acht, denn wahrlich, Aḷḷāh ist streng im Strafen!

[1] Hier endet nur nach der kūfischen Zählung kein Vers.

[2] Unter „bahīmat al-’anʽām“ versteht man auch das Embryo eines solchen Viehs.

[3] Das sind die Monate Ḏū l-Qa ͑dah (Nr. 11), Ḏū l-Ḥiǧǧah (Nr. 12), al-Muḥarram (Nr. 1), Raǧab (Nr. 7), in denen der Kampf verboten ist.

[4] „’an ṣaddūkum“ nach der Lesart der Mehrheit.

Nach Ibn Kaṯīr und ʼAbū ʽAmr: „’in ṣaddūkum“: „sollten sie euch daran hindern“ oder „selbst wenn sie euch daran hindern sollten“. Das Zweite passt eher, da ʼImām aṭ-Ṭabariyy sagte, dass diese Sūrah zweifellos nach Ḥudaybiyyah (6. Jahr n.H.) herabgesandt wurde.

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